Was für ein Wetter! Heute hat uns ein Schneesturm heimgesucht und alles gründlich eingezuckert. Klingt nach einem Tag, den ich gern auf dem Sofa verbracht hätte. Daraus wurde nichts, denn ein Amtsbesuch stand an. Da der Wetterbericht weiterhin wenig Gutes verheißt, mag den Leser daher eine Anekdote über diesen Ausflug erheitern.Der Amtsbesuch
Die Erledigung sollte ganz schnell gehen, da ich nur ein Dokument vorzeigen musste. So hatte man es mir am Telefon gesagt. Ich war optimistisch.
Eine halbe Stunde fahre ich durch die Stadt zu diesem Amt. Schon das monolithisch anmutende Gebäude ist wenig einladend. Gleich hinter der Tür wird man in eine Warteschlange beordert. Ganz vage Kindheitserinnerungen vom Überqueren der DDR-Grenze streben in mir auf: Hier endet die Bundesrepublik Deutschland / Sie fahren ein in die Deutsche Bürokratische Republik.
Nach 10 Minuten Warten zeige ich der Dame am Schalter besagtes Dokument, dessentwegen ich gekommen war. Wortlos haut sie 5 weitere Minuten in die Tasten, was mich zu der Annahme verleitet, damit hätte es sich dann gehabt. Dame blickt auf, gibt das Dokument zurück und einen kleinen gelben Warteschein.
Ich: Entschuldigung, wofür ist der?
Dame: Ihr Warteschein. Folgen Sie den gelben Schildern, Wartesaal 1. Sie werden aufgerufen.
Ich: Ach so. (Zögern.) Ich dachte, ich muss das nur vorzeigen.
Dame: Nee, wir verteilen hier nur.
Ich war also verteilt worden. Der gelbe Wartesaal hatte den Zuschlag erhalten. Nach mehreren Feuerschutztüren komme ich dort an. Eine von circa 30 Wartenden, keine Nummern, kein Hinweis darauf, wann man so ungefähr an der Reihe ist. Für einen unbestimmten Zeitraum mache ich es mir daher zwischen einem Mann mit Aschenbecheraroma, und einem jungen Pärchen bequem.
Als ich mich so umsehe, fällt gleich auf, dass viele andere besser vorbereitet sind. Sie haben eine Zeitung dabei oder Lernmaterialien oder Freunde. Jedenfalls sitzen da immer mal wieder Grüppchen, die sich angeregt unterhalten. Oder sind die alle so oft hier, dass sie sich schon kennen? Ich weiß es nicht, habe aber Zeit darüber nachzudenken. Denn ich warte und warte und warte ...
Eine gute Stunde vergeht. Endlich öffnet sich eine der vielen Türen und mein Name erklingt. Jetzt in Echtzeit:
Ich betrete den Raum und bevor ich mich setzen kann, sagt die Dame: Ihren Ausweis bitte. Ich gebe ihr den Ausweis, sie gibt ihn mir zurück: Vielen Dank, das wars schon.
Das wars schon auch von mir.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

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