Freitag, 30. Januar 2015

Zeitvertreib



Was für ein Wetter! Heute hat uns ein Schneesturm heimgesucht und alles gründlich eingezuckert. Klingt nach einem Tag, den ich gern auf dem Sofa verbracht hätte. Daraus wurde nichts, denn ein Amtsbesuch stand an. Da der Wetterbericht weiterhin wenig Gutes verheißt, mag den Leser daher eine Anekdote über diesen Ausflug erheitern.

Der Amtsbesuch

Die Erledigung sollte ganz schnell gehen, da ich nur ein Dokument vorzeigen musste. So hatte man es mir am Telefon gesagt. Ich war optimistisch.


Eine halbe Stunde fahre ich durch die Stadt zu diesem Amt. Schon das monolithisch anmutende Gebäude ist wenig einladend. Gleich hinter der Tür wird man in eine Warteschlange beordert. Ganz vage Kindheitserinnerungen vom Überqueren der DDR-Grenze streben in mir auf: Hier endet die Bundesrepublik Deutschland / Sie fahren ein in die Deutsche Bürokratische Republik.

Nach 10 Minuten Warten zeige ich der Dame am Schalter besagtes Dokument, dessentwegen ich gekommen war. Wortlos haut sie 5 weitere Minuten in die Tasten, was mich zu der Annahme verleitet, damit hätte es sich dann gehabt. Dame blickt auf, gibt das Dokument zurück und einen kleinen gelben Warteschein.
Ich: Entschuldigung, wofür ist der?
Dame: Ihr Warteschein. Folgen Sie den gelben Schildern, Wartesaal 1. Sie werden aufgerufen.
Ich: Ach so. (Zögern.) Ich dachte, ich muss das nur vorzeigen.
Dame: Nee, wir verteilen hier nur.

Ich war also verteilt worden. Der gelbe Wartesaal hatte den Zuschlag erhalten. Nach mehreren Feuerschutztüren komme ich dort an. Eine von circa 30 Wartenden, keine Nummern, kein Hinweis darauf, wann man so ungefähr an der Reihe ist. Für einen unbestimmten Zeitraum mache ich es mir daher zwischen einem Mann mit Aschenbecheraroma, und einem jungen Pärchen bequem.

Als ich mich so umsehe, fällt gleich auf, dass viele andere besser vorbereitet sind. Sie haben eine Zeitung dabei oder Lernmaterialien oder Freunde. Jedenfalls sitzen da immer mal wieder Grüppchen, die sich angeregt unterhalten. Oder sind die alle so oft hier, dass sie sich schon kennen? Ich weiß es nicht, habe aber Zeit darüber nachzudenken. Denn ich warte und warte und warte ...

Eine gute Stunde vergeht. Endlich öffnet sich eine der vielen Türen und mein Name erklingt. Jetzt in Echtzeit:
Ich betrete den Raum und bevor ich mich setzen kann, sagt die Dame: Ihren Ausweis bitte. Ich gebe ihr den Ausweis, sie gibt ihn mir zurück: Vielen Dank, das wars schon.



Das wars schon auch von mir. 
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Krankenstand im Winterland



Zur Zeit bekomme ich täglich mindestens eine neue Hi-wie-gehts-Dir?-Ich-bin-krank-WhatsApp. Geht es Dir auch so? Ich habe daher das Gefühl, dass die Zielgruppe dieses Blogs gerade boomt. Tendenz steigend bis die weiße Pracht vor unseren Türen wieder verschwindet. Aus gegebenem Anlass dreht sich dieser Post daher um das Kranksein.

Unsere Must-haves dieser Tage: stimmungsaufhellende Taschentücher im Vintage-Design, Meerwassernasenspray im puristischen Plastflakon und eine heiße Wärmflasche.

Hat es auch Dich erwischt, deckst Du Dich besser gleich auf dem Rückweg vom Arzt mit einem Zeitschriftenvorrat ein. Zwar sind den ganzen Tag lang gescheiterten Existenzen bei trivialen Tätigkeiten und dem Treffen falscher Lebensentscheidungen im Fernsehen zu beobachten, doch könnte die schleichende Volksverdummung die erfolgreiche Wiederaufnahme der Arbeit letztlich erschweren.

Im Vergleich zu absichtlich freien Tagen, sind die Aktivitäten stark eingeschränkt. Das Bedürfnis nach Komfort steigt dagegen exponentiell. Ein paar Punkte sind zu beachten:

Don’t - den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen

Auch der braucht mal eine Pause. Also gönn ihm entweder viel frische Lust oder ein Bad. Dann schläft es sich auch abends wieder gut.

Do - der Zwiebelschlabberlook

Hier ist alles möglich: weite Joggingshose oder anschmiegsame Thermoleggings, dicker Wollpulli oder leichtes Sweatshirt. Oder auch alles übereinander, denn der Zwiebellook bringt die nötige Flexibilität. In Hitzewellen als Folge exzessiven Teetrinkens und zu heißer Wärmflaschen kannst Du eine Schicht nach der anderen abwerfen. Im fröstelnden Fieberwahn kehrt sich der Prozess wieder um.

Für alle, die sich darüber geärgert haben, wie teuer die neue Skiunterwäsche war, bieten Krankentage die Gelegenheit diese Anschaffung schneller zu amortisieren. Hier haben wir ein Keypiece für die kalte Jahreszeit, das weder zwickt, noch rutscht und klimatechnisch optimiert ist. Da es meist in dezenten Farben daherkommt, lässt es sich fröhlich kombinieren.

Mein Tipp: Nie wieder kalte Knie mit Overknee

Was haben wir Julia Roberts in Pretty Woman bewundert! Nicht nur, weil sie wunderhübsch ist. Vor allem wegen ihres gesunden Menschenverstands in puncto Kleidung: Es ist Nacht, ein kühler Wind streicht durch die Straßen. Wir befinden uns zwar in LA, doch ist es offensichtlich so frisch, dass, wer es sich leisten kann, über seinem Designeranzug einen Mantel trägt. Vivian Ward ist berufsbedingt leider extrem leicht bekleidet. Um einer kältebedingten Blasenentzündung vorzubeugen, trägt sie dennoch vernünftiges Schuhwerk, das bis sie bis über die Knie warm hält. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen und endlich Schluss machen mit frierenden Knien. In der Homestyle-Variante gibt es Overknees in Strumpfform. Mittlerweile ist hier eine zufriedenstellende Vielfalt geboten:



Dienstag, 27. Januar 2015

This goes out to all the couch potatos

Wer sind wir? Wir sind Du.
Du, wenn Dich die Grippe auf die Ersatzbank schickt.
Du, wenn Du für Deinen Urlaub nichts gebucht hast.
Du, an faulen Sonntagen, familienfreien Feiertagen, Home-Office-Tagen.
Wenn der Casual-Friday nicht an einen bestimmten Wochentag gebunden ist, findet sich hier Inspiration und Rat.

Die befreiende Wirkung bequemer Hüllen gepaart mit dem fehlender Druck toll auszusehen, was sonst unweigerlich zum Auftragen mehrerer Farbschichten in der Gesichtsregion, dem glätten, föhnen, wellen oder kunstvoll Hochstecken der Haarpracht und der Selektion von Outfit-komplementierenden Accessoires einhergeht, ist nicht zu leugnen. Fernab fremder Blicke dürfen wir sein, wie wir waren, als wir aufgestanden sind: ganz, ganz entspannt.

Was man an solchen Tagen trägt, hängt zum einen von der Häufigkeit dieser Anläse ab. Als nur-zu-hause-Novize ist man zuerst noch zurückhaltend. Dann mögen schon Jeans und T-Shirt einen mutigen Kontrast zum sonst so durchdachten Büro-Outfit darstellen. Diese Kombination gilt als Einstiegsdroge fürs Laissez-aller. Sie reduziert den Aufwand des Sich-kleidens bereits signifikant und ist auch für kleine Ausflüge vor die Haustür gesellschaftsfähig.

Mit der Zeit kommt der Mut zu mehr Ungezwungenheit. Variierende Temperaturen und Befindlichkeiten stellen immer neue Herausforderungen an einen gelungenen Homestyle. Doch sind Äußerlichkeiten nicht alles. Die Zeit kann lang werden. So allein. Zu haus. Keine Bange, es gibt viel zu tun ...



Woher kommt eigentlich die Jeans?


Während wir die Jeans hier als Freizeit-Piece deklarieren, war sie ursprünglich Sinnbild harter Arbeit. Wagen wir den Blick zurück von knocheneng zu Knochenjob, z.B. einem wie das Goldschürfen.
Mitte des 19. Jahrhunderts befindet sich San Francisco im Goldrausch. Ein bayerischer Wahlamerikaner erkennt dort den Bedarf an strapazierfähigen Arbeitshosen und entwickelt die Levi’s Bluejeans. Der Schlüssel zum Erfolg ist das strapazierfähige Material, das Jeans oder auch Denim heißt.
Beide Varianten führen uns in die 9 ½-Tausend Kilometer weit entfernten Städte Nîmes (de Nîmes = de-nim) und Genua (Genoa’s = Jeans), von denen sich die Namen ableiten. Dort war das stabile Twillgewebe schon seit Langem als günstiges und robustes Material für Alltag und Arbeit in Gebrauch. So betrachtet ist der Inbegriff amerikanischen Lebensgefühls eigentlich ein Import aus Europa. Welcome home.